Weinanbau

Ökologisch denken


Neben dem gerade entdeckten Überflieger des neuseeländischen Weinbaus, dem Pinot Noir, darf man die mit fast 50% der Anbaufläche dominierende Rebsorte nicht aus den Augen, bzw. aus Nase und Gaumen verlieren: Den Sauvignon Blanc. Er war es, der Neuseelands Weinkultur Mitte der 1990er Jahre wieder zum Leben erweckte, nachdem lange Zeit nur mittelmäßige Müller-Thurgaus und Chardonnays erhältlich waren.

Die an der Nordspitze der Südinsel angebauten Weißweine der Marlborough-Region, des Awatere-Valleys und des Wairau-Valleys profitieren vom fruchtbaren Boden, den die Abflüsse aus den neuseeländischen Alpen hier angelagert haben. Die das Land in Ost-West-Richtung durchziehenden Winde trocknen die Feuchtigkeit der Nacht gut, sodass die Reben auch vor Mehltau gut geschützt sind und die intensive Sonne gut nutzen können. Auch hier kommt es durch die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zu den für neuseeländischen Wein typischen fruchtig-säuerlichen Aromen, die einem Sauvignon Blanc sehr gut tun.

Alternative Bio-Wein

Dass dieser Boom natürlich nicht folgenlos bleibt, ist klar. Zum einen wurden die kleineren Boutique-Weingüter von großen Firmen aufgekauft oder vertraglich an die Traubenlieferung gebunden, sodass drei große, finanzorientierte Weinproduzenten die Region dominieren. Sie sorgen zwar durch ausländische Experten für gleichbleibendere Qualität und vor allem besseres Marketing, ganz zu schweigen vom exzellenten Sekt, der nach klassischer Methode mit französischem Know-How gekeltert wird.

Andererseits werden in den riesigen Monokulturen verstärkt Schädlingsbekämpfungsmittel, große Maschinen und gering bezahlte Arbeitskräfte eingesetzt. Die Hinwendung zu einer Weinbauindustrie tat der Region nicht nur gut. Darum gibt es mittlerweile in allen Weinbaugebieten Neuseelands verstärkt Bemühungen um ökologisch produzierten, nachhaltigen und entsprechend beworbenen Wein.

Dass diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, beweisen die steigenden Verkaufszahlen und das bessere Image der Weine, das auch dem Weintourismus zugute kommt. Schließlich ist eine Führung durch eine „Weinfabrik“ zwar imposant - aber so richtig wohl fühlt man sich doch eher bei den kleinen, teils aus reinem Idealismus und Pioniergeist gegründeten Weingütern, den Boutique-Vinerys.